Friedel Reinhardt
Geboren im März 1981 in Sippenaeken, Belgien.Aufgewachsen in Lontzen, Belgien (bei Aachen)
1987-2000
Schulzeit und Abitur Freie Waldorfschule Aachen
2000
Reise durch Südamerika; später folgten zwei weitere durch Mittelamerika
2001-2002
Praktikum an der heilpädagogischen Schule „Haus Tobias“, in Freiburg
2002 – 2007
Studium am Institut für Waldorfpädagogik Witten/Annen:
Grundständige Ausbildung zum Klassenlehrer (Kl. 1-8)
Grundständige Ausbildung im Fachbereich Theaterpädagogik;
Heilpädagogik (1 Jahr);
Ergänzungen in Arbeits- und Erlebnispädagogik
Seit 2002: captura
Inhaltliches zum Lauf meines Lebens
„Ich will in meinem Leben die Kraft haben, aufrecht gegen den Strom der Masse zu stehen.“ Tagebucheintrag als ich 14 Jahre alt war.
Dieses Bild, das mit 14 Jahren in mir hoch kam, tauchte in den darauf folgenden Jahren immer wieder auf. Mal häufiger, auch mal über längere Zeit gar nicht. Aber es ist doch eben immer wieder da, vor allem das Gefühl zu diesem Bild erscheint mir oft sehr klar.
Die für mich stärkste Frage, die einige Jahre nachdem mir das „Bild“ auftauchte, in mir aufstieg, war die nach der Kraft: „Woher kommt die Kraft, die mich in meiner Biographie aufrecht stehen lässt, auch wenn die unmittelbare Umgebung ungeheuer in eine andere Richtung zieht?“
Heute kann ich in der captura-Arbeit erleben, dass ich hier den Zugang zu dieser Kraft finde, die mich in meiner Biographie aufrecht stehen lässt. Dieses starke Erleben der eigenen Kraft, kann ich hier, wenn auch vorerst nur im Ansatz, wieder finden.
Doch was führte mich zu captura?
Kindheit
Mit vier weiteren Geschwistern wuchs ich in einem kleinen Dorf in Belgien, nahe von Aachen, auf. Meine Kindheit war geprägt vom Spielen in der Natur, dem Erfinden von Phantasiegestalten und –Gegebenheiten, dem Streit mit den Geschwistern, … - aus heutiger Sicht will ich diese Kindheit mit keiner anderen tauschen.
Schulzeit
Meine Schulzeit habe ich insgesamt in schöner Erinnerung. Aus den ersten Schuljahren habe ich nur einige Bilder, die mit Aktionen verbunden sind, welche sich außerhalb des gewöhnlichen Schulalltages abspielten.
Mit ungefähr 10 Jahren tauchte die große Leidenschaft der Pferde auf. In den nächsten Jahren war das Reiten und alles rund ums Pferd mein hauptsächlicher Lebensinhalt. Täglich ging ich in den Reitstall, gab schon bald selbst Reitunterricht und kümmerte mich um die eigenen Ponys. In dieser Zeit war absolut klar für mich, mein späteres Berufsleben wird sich in diesem Bereich abspielen. Als ich 15 war, endete diese Leidenschaft recht abrupt.
In der Oberstufenzeit richtete sich mein Interesse viel mehr auf die Sozialgeschehnisse innerhalb der Klasse als auf den Unterrichtsinhalt. Mit den Inhalten des 12. Schuljahres konnte ich mich wieder stärker verbinden. Vor allem die eigenständige Abschlussarbeit ließ einiges in mir wach rufen. (Ich schrieb eine Kurzgeschichte von Wolfgang Borchert zu einem Einpersonenstück um, studierte dieses ein und führte es zum Abschluss dann auf.)
Reisen
Die Frage nach der Berufsrichtung war nach Beendigung der Schulzeit in meinem Umfeld natürlich groß. Ich hatte keine Ahnung. Bei direkter Nachfrage zählte ich immer einige Dinge auf, die ich mir irgendwie vorstellen konnte – die Richtung der Pädagogik tauchte hier nie auf.
Erstmal stand die Reise nach Südamerika an und ich glaubte fest daran, während dieser Zeit herauszufinden, wo es für mich danach weiter langgehen sollte.
Doch das Eintauchen in die neue Kultur, das Entdecken der neuen Länder, ja das Kennen lernen einer für mich ganz neuen Welt, ließ Fragen, die weiter in die Zukunft gingen überhaupt nicht zu. Jeder Tag wollte mit seinen vielen Erlebnissen und Eindrücken verarbeitet werden. Eher wurde ich mir in dieser Zeit über einige Dinge aus der Vergangenheit klar, als das sich irgendein Weg nach dieser Reise abzeichnete.
Orientierung
Das Suchen ging weiter, ein kleines Praktikum hier und da, ein bisschen jobben. Ich kann mich heute nicht daran erinnern, auch nur ein einziges Mal mich unwohl in dieser Suche gefühlt zu haben. Natürlich kam von außen oft die Frage „was willst du denn jetzt machen?“, aber in mir lebte eigentlich ständig die Grundstimmung, dass ich für mich schon das richtige machen werde, auch wenn ich noch nicht genau weiß, was es sein wird.
Richtungsblick
Da ich ja nicht „wirklich“ wusste, was ich weiter machen sollte, nahm ich die Anfrage, für die beiden verbleibenden Monate des Schuljahres 2000/2001 in einer Heilpädagogischen Schule in Aachen als Klassenhelferin einzuspringen, an. Die Einzigartigkeit des Menschen kam mir hier unmittelbar entgegen. Diese Kinder legten es mir offen an den Tag, dass jeder von uns etwas so Besonderes in sich oder mit sich trägt.
Schnell wurde klar für mich, dass die Tätigkeitsrichtung in meinem Leben mit dem Menschen zutun haben sollte, gerade mit der Frage nach der Besonderheit des Einzelnen. In der Heilpädagogik konnte ich sie zunächst für mich wieder finden und so machte ich mich auf den Weg, um ein weiteres Praktikum, diesmal für ein Jahr, in der Heilpädagogik zu machen.
In dem Praktikum-Jahr verstärkten sich die Fragen nach dem Menschen. Auch der Wunsch in weitere Zukunft mit Menschen zusammen zu arbeiten stärkte sich. Der Bereich der Heilpädagogik schien weiterhin richtig für mich zu sein und so entschloss ich mich im Sommer 2002 am Institut für Waldorfpädagogik ein Studium in diesem Fach zu beginnen. Bzw. ich brauchte mich gar nicht wirklich zu entscheiden, oder ich habe den Vorgang der Entscheidung nicht bewusst wahrgenommen – es war irgendwie klar, dass ich nach Witten gehe.
Studium
Mit anfänglich großer Skepsis begann ich mein Studium der Waldorfpädagogik – zu stark geprägt war ich wohl in meiner Kindheit und Jugend von einigen „Waldorf-Elemente“, die ich mit meinem damaligen Blick nur von außen betrachtete. Ich hatte regelrecht die Befürchtung, durch das Studium zu einer in lila wallenden Gewändern gehüllte Waldorftante zu werden – oder musste man das vielleicht auch?
Schnell wurde mir deutlich, dass es um andere Inhalte ging. Aussagen Rudolf Steiners fingen an mich zu begeistern. Ich fand Antworten auf meine Fragen und es schlossen sich neue Frage an. Am stärksten erlebte ich in meinem ersten Studienjahr den Widerspruch zwischen dem von mir meinend zu verstehenden Kern der Waldorfpädagogik und dem, was ich in der Realität an den Waldorfschulen erlebte und durch Erzählungen wahrnehmen konnte. In diesem Widerspruch befanden sich auch andere Menschen, erste Gesprächstreffen fanden statt – captura entstand und entwickelt sich seitdem.
captura wurde zunehmend zu meinem eigentlichen Studium. Hier konnte ich für mich forschend tätig sein. Tätig zu sein wurde zu einem Genuss. Im Kern erlebte und erlebe ich mich immer stärker zu der eigenen Kraft kommend, was für mich in irgendeinem Zusammenhang mit Wahrheit steht. Der eigenen Wahrheit in Verbindung mit etwas Außenstehendem von mir.
Neben der captura-Arbeit war ein anderer wesentlicher Bestandteil meines Studiums die Theaterpädagogik. Die Fragen nach der Einzigartigkeit des Menschen mit all seinen Geheimnissen konnte ich im Studium der Heilpädagogik nicht mehr wieder finden. Ich merkte, dass es zunächst gilt, an mir zu arbeiten. Ich musste mich weiter entwickeln, um in irgendeiner Weise lehrend tätig zu sein. In dem Bereich der Theaterpädagogik fand ich am Institut für mich den einzigen „offiziellen“ Zugang dafür. Ein wunderbarer Lehrer ließ mich immer wieder an Grenzen kommen, an denen ich aufwachen konnte, die Erkenntnisarbeit unmittelbar von mir forderten.
So wird die Arbeit in der Kunst auch in Zukunft für mich in einem unmittelbaren Zusammenhang mit captura stehen.