Newsletter 01/2010
Hallo zusammen und ein gutes neues Jahr,
mit 35 Menschen war es zum Jahreswechsel wieder sehr lebendig, nachdem die letzten Wochen des vergangenen Jahres ziemlich ruhig verliefen. Friedel war in Aachen an der Waldorfschule eingesprungen und wir Übrigen hier vor Ort waren vor allem mit Renovierungsarbeiten, Aufräumen im Park und Garten und Holzmachen beschäftigt. Seit Oktober pausiert die bewusste, inhaltliche Arbeit an unserem Freiraum. > siehe Newsletter 06/2009
Ab dem zweiten Weihnachtsfeiertag fanden sich dann immer mehr Menschen ein; es wurde gekocht, geheizt, Kaffee getrunken, gelesen, sich unterhalten, Kino gemacht oder spazieren gegangen und Silvester in der Kellerbar bis zum Morgengrauen getanzt. Nicht spektakulär sondern eher gelassen, entspannt und mit Liebe zum Detail vollzog sich der Jahreswechsel.
>>> Fotoalbum von David Masuch
Das neue Jahr nahm seinen Auftakt direkt im Anschluss mit einer internen Lehrerfortbildung der Waldorfschule Rostock vom 3.-5. Januar. Gottfried Stockmar arbeitete inhaltlich mit dem Kollegium und wir drei und Claudia und Nils kümmerten uns um die Verpflegung und die Räume. Einige der Lehrer übernachteten auch hier und so verwandelte sich das "Schloss" für zwei Tage ein wenig in eine Herberge. Wir hatten Spaß daran, für soviele Leute zu kochen und trotz der vielen Arbeit gab es genug Raum für Gespräche und Austausch - und bestimmt wird sich das ein oder andere daran anknüpfen.
Seit gestern ist es ruhig und wieder eiskalt: -9° Grad fühlen sich auf unserer Baustelle nochmal anders an, wobei die zentralen Räume doch ohne große Mühe auf 20° Grad beheizbar sind.
Gestern am Dreikönigstag verwandelte sich das Kaminzimmer zum Gemeinschaftsbüro; Nils arbeitet an den Plänen vom alten Gutshaus, Friedel ist an der Buchhaltung für 2009, ich schreibe unter anderem diesen Newsletter und bin viele Kleinigkeiten am abarbeiten und Maria baut Türzargen für das dritte kleine Gästezimmer über dem großen Saal.
Im Vorblick auf´s kommende Jahr steht ein mehrwöchiger Aufenthalt eines jungen Erwachsenen mit geistiger Behinderung im Januar an; dann heißt es Holz machen im Wald; im Februar kommt ein Schüler der Waldorfschule Potsdam zu einem mehrwöchigen Praktikum; dann bahnt sich ein Wochenende mit einer 11.Klasse der Waldorfschule Rostock zum Thema Freiheit an und nach Pfingsten noch eine Schulklasse aus Denver/USA.
Für Maria, Friedel und mich steht erstmal das Thema "Arbeit sucht Einkommen" vor der Tür - der seit einem Jahr angekündigte Bericht über den bisherigen Verlauf unserer Einkommensfinanzierung und die Frage inwieweit unser Ansatz eines Schenkeinkommens tragfähig bleibt. Parallel wird sich die inhaltliche Arbeit intensivieren. Wie greifen wir dieses Jahr den Freiraum auf? Welche Entwicklungsrichtungen zeichnen sich ab? Wohin wird sich die innere Ausrichtung hinwenden?
Nach zweieinhalb Jahren sind wir im Großen und Ganzen in Hugoldsdorf angekommen, haben uns mit dem Dorf vertraut gemacht und auf vielen Ebenen die Möglichkeiten, Herausforderungen und Schwierigkeiten des Lebens auf der Baustelle als sozialer Freiraum auf Grundlage von Vertrauen und Freiwilligkeit kennengelernt. Viele Menschen waren inzwischen zu Besuch und der Kreis an denjenigen, die sich mit dem Ort und den Menschen verbinden, wächst. Inzwischen hat sich auch vieles von dem, was wir 2006 in einem ersten Konzept für einen eigenen Lernort schrieben, verwirklicht.
Und doch ist da ein Gefühl, dass es erst losgeht. Nicht schnell, sondern sehr langsam. Diese Langsamkeit ist natürlich auch bedingt durch den Ansatz, mit wenig Geld und viel Eigenleistung dem ganzen hier entgegen zu treten und doch ist sie erwünscht und erweist sich für uns, und viele die hier zu Besuch sind, als ein wohltuendes Gegengewicht zum Kulturstrom der Schnelligkeit und Beschleunigung.
In meiner Theaterpädagogikausbildung lernte ich im Schwertkampf, dass die innere Ruhe umso größer sein muss, je schneller ich mich im Äusseren bewegen will.
In diesem Sinne alles Gute aus dem winterlichen Hugoldsdorf,
Florian Lück
mit vielen Grüßen von Maria Veron und Friedel Reinhardt