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Newsletter 05/2009 | Dienstag, 1.September 2009 | Hugoldsdorf

aufgeraeumt

Hallo alle zusammen,

die ersten kühlen Nächte kündigen hier in Hugoldsdorf den Herbst an.

Besucherreiche Wochen liegen hinter uns, heiße Sommertage, vielfältige Arbeiten in und um die Häuser - und während noch viele Baustellen weiterlaufen wächst bei uns das Bedürfnis nach Klarheit: aufräumen, innehalten, saubermachen, zurückschauen, sortieren, neu ausrichten.

Der Freiraum hier bestätigt sich weiter als Bedürfnis vieler Menschen und es entsteht inzwischen ein Kreis an Menschen, die immer wieder kommen und sich mehr und mehr verbunden fühlen. Gleichzeitig wachsen die Verbindungen ins Dorf.

Neulich war der Spruch im Gespräch: „Für die Erziehung eines Kindes braucht es ein ganzes Dorf!“ – vielleicht gilt das ja auch für Entwicklungen bei Jugendlichen und Erwachsenen.

Nach wie vor haben wir Grundlagen im Blick. Wie helfe ich einem jungen Menschen, sich in sich selbst zu gründen, aus sich heraus etwas zu wollen vom Leben? Wie mache ich das bei mir selbst? Aus welchem Grund lebe ich, strenge ich mich an? Trägt das?

Gerade bei den zwei 16-jährigen Jungs, die dieses Jahr eine Schulauszeit hier verbrachten, konnte man sehen, was für Potentiale Freiwilligkeit offenlegen kann - wenn sie bereits beim morgendlichen Aufstehen beginnt eine Rolle zu spielen.

Wie schön muss eine ganze Gesellschaft sein, in der freiwillig gearbeitet wird?

Auch wenn diese Vorstellung ein wenig abhebt: sinnvoll und heilsam scheint uns das Kultivieren von Freiwilligkeit auch heute schon zu sein. Freiwilligkeit kann Lebenszusammenhänge bilden, die gerade in den heutigen Institutionen des Bildungswesens immer mehr verloren gehen; sie schafft Identifikation mit meinem Umfeld was wiederum dazu führt, dass Menschen Verantwortung übernehmen. Der Gesellschaftsbereich, der so entsteht, ist dann vor allem auch eines: er ist gewollt - und der Mensch ist mit drinnen.

Viele Grüße aus Hugoldsdorf,

Florian
Maria und Friedel

Schmetterling

Sommerwochen - Sommerleben

Sommerbaustelle

Nachdem es einige Wochen durchgehend feucht und nass war, kam die trockene Zeit hier in Hugoldsdorf.

Wir hatten zur Sommerbaustelle eingeladen und uns vor allem die große Fläche hinter dem alten Gutshaus vorgenommen, die wir dann auch in drei bewegten Wochen im Großen und Ganzen bewältigten. Es war eine Menge an altem Holz, Restmüll, Sondermüll, Alteisen und Bauschutt was wir von diesem Platz wegschafften. Teils wurde die Erde handverlesen; Glasscherben und Wellasbestsplitter entfernt.


Durchzogen war die Zeit parallel von den Vorbereitungen an der Kulturbaracke für das Dorffest. Maria und Florian waren so über weite Strecken auf dem Nachbargrundstück unterwegs.


Die Besatzung hier auf dem Gut schwankte zwischen 10 bis 20 Menschen aller Altersgruppen und von Kurzbesuchen, Dreitagesaufenthalten bis hin zu mehreren Wochen. Die Sommerwochen beschränkten sich auch nicht auf die drei Wochen sondern es ging danach munter weiter mit Besuch. Vielleicht braucht es auch gar keine besondere Einladung zu einer dreiwöchigen Sommerbaustelle – es war vielleicht einfach nur der Sommer hier ums Schloss.


Neben den ganzen beschreibbaren Äußerlichkeiten der vergangenen Wochen, die in gewisser Hinsicht etwas Unwesentliches haben, stellt sich mir dann die Frage:

Was war denn dann das Wesentliche dieser Zeit?

Erstmal im Blick und als erste Antwortebene steht da natürlich das, was für jeden Einzelnen durch die Begegnung mit  diesem oder jenem Anderen, mit dieser oder jener Herausforderung, wesentlich oder wertvoll wurde. Hier stehen erstmal ganz individuelle Antworten.


Einen Schritt weiter stellt sich die Frage nach der Stimmung, der Atmosphäre, nach der Kultur die hier in den menschlichen Zwischenräumen lebte und inwieweit diese für den Einzelnen hilfreich oder verhindernd ist; ihn zu sich selbst hin- oder ihn von sich selbst wegbringt. Unser Ideal an dieser Stelle ist ja, ein Milieu, einen Freiraum zu schaffen in dem der Einzelne ins Spiel und im schillerschen Sinne ins Spielen kommt; indem er seinem eigenen Impuls auf die Spur kommt.


Bei sozialen / kultursubstantiellen Verdichtungen, wie z.B. dem diesjährigen Pfingsttreffen, sind die Blicke auf solche Aspekte wie Stimmungen oder Atmosphären leichter als bei der, sich in das alltägliche Leben ausbreitenden, sozialen Totale. So schrieb eine Besucherin nach Pfingsten im Online-Gästebuch: „… Bei dieser vorurteils- und scheinbar gänzlich urteilsfreien Begegnung von Mensch zu Mensch, die ich bei euch erlebt habe, liegt m.E. tatsächlich der Weg für das ICH offen, sich zu entfalten. …“

Auf dieser Ebene sehen wir den Kern unserer Arbeit und es hat erstmal den Anschein, dass er sich entwickelt, vorhanden und wirksam ist - ausreichend, um guten Mutes weiterzumachen, aber noch anfänglich und unklar, um nicht zu sagen: „Die Arbeit beginnt eigentlich erst!“

Florian

 

>>> Fotos vom Sommer

 

 

Rund um die Kultur-Baracke

kulturbaracke

Kinder- und Seniorennachmittag – Dorffest zum 715-jährigen Bestehen von Hugoldsdorf – Einwohnerversammlung – Skatnachmittag - Geburtstagsfeier von zwei Mädchen aus dem Dorf und bald die zweite Nutzung als Gruppenunterkunft für eine Schulklasse aus Bochum …

Die Kulturbaracke wird genutzt. Auch wenn wir im Frühjahr die Pflege und weitere Renovierung ziemlich vernachlässigt haben sind wir dann doch inzwischen einen Schritt weiter gekommen. >>> neue Bilder

In Vorbereitung auf das Dorffest haben die Gemeindearbeiter das Gelände auf Vordermann gebracht und das Gebäude gestrichen; Hr. Tiedemann, der Eigentümer hat uns neue Regenrinnen gespendet, die wir dann in Eigenarbeit (Danke nochmal an Börje aus Krempe, Hans aus Leipzig und Yves aus Freiburg) anbauten während Maria die eine Saaltür vorläufig restaurierte. Gottfried Stockmar stellte zwei Eichenbohlen zur Verfügung, aus denen Marian aus Witten eine neue Sandkiste baute. Ein neues Schild hängt über der Tür, das Geländer wurde gestrichen … alle Details bekomme ich nicht mehr zusammen; auf jeden Fall Danke an alle, die geholfen haben.

Ausblick:
Es sollen zwei neue Türen für den Saal gebaut werden, für die wir inzwischen einen Spender gefunden haben. Dann müssen die Fenster gestrichen werden und im nächsten Jahr wollen wir das Gebäude zum weiteren Erhalt mit Holz verkleiden. Zu guter letzt steht dann irgendwann die Renovierung des Saales an. Aktuell steht auch die Frage der Abwasserbeseitigung vor der Tür, da die momentane Situation nicht mehr auf dem Stand der Technik ist.

Florian

Finanzlage

einkommen

Finanziell sieht es nicht üppig aber ausreichend aus. Zum einen haben wir inzwischen das Geld für das Holzschutzgutachten zusammen bekommen, um am alten Gutshaus weiter zu kommen; zum anderen haben wir für die Saaltüren in der Baracke, die Maria neu bauen will, einen Spender gefunden.

Was "Arbeit sucht Einkommen" angeht sind wir im Moment ein wenig unzufrieden. Unser Bericht über die ersten 2 Jahre Schenkeinkommen wartet darauf, dass wir an ihm weiter machen und zum anderen schaffen wir es nicht, genügend Bewusstsein und Zeit in die Einkommensseite zu investieren. Zumindest haben wir drei den Eindruck, so wie es im Moment läuft, geht es nicht weiter. Auf der anderen Seite ist es wirklich ein Geschenk, in dieser Weise mit einem, wenn auch minimalen, Grundeinkommen arbeiten zu dürfen. Allerdings kommunizieren wir die Sache wahrscheinlich zu wenig bzw. kümmern uns nicht ausreichend um die Weiterentwicklung. Mal schauen.

Einen lieben Gruß an alle, die uns Einkommen schenken ;)

captura-Konto (privates Konto auf fremde Rechnung)
Empfänger: Florian Lück |Kt.-Nr.: 4009158401 | BLZ: 43060967

Wie geht´s weiter?

altes Gutshaus

Durch die Freistellung des alten Gutshauses steht jetzt die Frage an, ob wir mit captura für das Haus die Verantwortung übernehmen. Daran knüpfen sich verschiedene Fragen, unter anderem die nach der Gründung eines gemeinnützigen Vereins, die nach den Eigentumsverhältnissen (evtl. könnte das Haus /Grundstück auf den Verein bzw. uns überschrieben werden) und die nach Finanzierungsmöglichkeiten.

An uns stellt sich die Frage, inwieweit wir uns noch langfristiger für diesen Ort hier entscheiden. So wie sich die Dinge bis jetzt entwickeln, scheint es nicht unsinnig, mit captura ein eigenes Haus zu beziehen.

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Desweiteren steht nach wie vor unser Bericht über die ersten zwei Jahre "Schenkeinkommen" an und die Frage, wie wir "Arbeit sucht Einkommen" verbessern können und ob wir darauf weiterbauen.

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Eine andere Aufgabe könnte nochmal eine grundlegende schriftliche Arbeit / Broschüre werden, über die Frage "Worum geht´s uns eigentlich mit captura?" - mit dem Blick auf die Grundlagen, Voraussetzungen, Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen unserer Arbeit.

Florian